Das Augen-Es
Februar 2nd, 2007 | by Lawlita |Es schlug um sich, als ich ihm eines seiner Augen auskratze. Seine langen Arme krachten gegen den Türrahmen, und ich wich erschrocken zurück. “Was hast du?”, rief ich, “was stört dich das eine Auge? Mir fehlt doch eines, und du hast sie so wie ich Haare.”
Da schaute es mich traurig an, Tränen standen in seinen tausend Augen und es zitterte. Ich näherte mich, presste meine Stirn an seinen Körper, und schaute es, endlich wieder sehend, lange an.
Mit einem Male durchflossen mich sämtliche Bilder dieser Welt, ich konnte alles sehen was es mit seinen Augen sah, und ich sah auch es selbst durch mein neues Auge wie einen kleinen, viel zu hell leuchtenden Fleck auf einem Monitor.
Und plötzlich erkannte ich mich selbst, sah nur mich, wie auf tausenden von Bildschirmen in einem Kaufhaus, unendliche Dimensionen meines eigenen Seins.
Einen Augenblick war ich wie gelähmt, erschüttert. Dann sackte ich schluchzend zu Boden, die Augen reflexartig zusammengepresst. Als würde das helfen. Ich wollte nichts mehr sehen, nie wieder.
Nach einer scheinbar unendlichen Zeitspanne kam ich wieder zu mir, zögerte kurz, und gab ihm dann sein Auge zurück. “Ich verstehe”, flüsterte ich ihm zu, “keiner will sich selber sehen, und erst Recht nicht durch sein eigenes Auge.”
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