Die absolute Sinnentleerung von Gut und Böse
November 6th, 2006 | by Lawlita |Das gesellschaftliche Böse steht in seiner engelsgleichen Reinheit und seinem Tiefgang dem gesellschaftlichen Guten in keinster Weise nach, in punkto Ehrlichkeit übertrifft es letztere sogar bei weitem. Dafür aber ist es immer Minderheit. Sollte es ihr doch einmal geschehen, dass sie sich zur Mehrheit entwickelt, so vollzieht sich eine wundersame Metamorphose der Anschauung, und das Böse schlüpft in das Gewand des Guten. Schlecht ist somit ein Synonym von Minderheit, gut von Mehrheit. Damit ist bereits im Wesentlichen die Beliebigkeit der Namensgebung erkannt. Jede Seele findet sich in seiner Hälfte wieder, und vertritt diese mit aller Macht. Der Böse verfolgt den Guten mit Überzeugung und der durch das lodernden Feuer der Minderheit glühenden Inbrunst, der Gute verfolgt den Bösen mit weniger Überzeugung und weniger Feuer, dafür gestärkt und beschützt von der Mehrheit. Nun mag man einwenden: Die Geschwister Scholl – waren diese nicht gut und trotzdem in der Minderheit? Dabei verwechselt man allerdings das moralische „gut“ mit dem aktuellen „Image des Guten“; der gesellschaftlichen Ansicht. Die Geschwister Scholl fanden sich beim Kleidertausch von Bös’ und Gut einfach auf der anderen Seite wieder, waren plötzlich bös, verfolgt von den Guten, bis im Zuge der Entnazifizierung die Kleider wieder ausgetauscht wurden, und man sie, leider tot, wieder auf der Seite des Guten wiederfand.
Tags: Böse, Gerechtigkeit, Gut, Philosophie, philosophy, Recht, Relativität


One Response to “Die absolute Sinnentleerung von Gut und Böse”
By Simone Paul on Nov 11, 2006 | Reply
Fraglich bleibt ob dieser Essay anachronistisch ist, da er etwas betitelt, was heute in dieser Form in den meisten Fällen nicht mehr gegeben ist. Der Mensch strebt nach Feindbildern, das vereinfacht die Definition von Gut und Böse. Der Feind muss zwangsläufig böse sein, was die logische Konsequenz hat, dass man selbst gut ist. Da es für die meisten Menschen erstrebenswert ist gut zu sein (es sei denn es folgt gerade der Mode Steine auf Panzer zu werfen, da werden auch die angepaßtesten Spießer plötzlich Revolutinäre) strebt er nach Feindbildern. Dank Gorbatschow wurde “der Westen” seines liebsten Feinbildes dem “bösen Kommunisten” beraubt. Das universelle Feindbild für Jedermann ward ersatzlos gestrichen. Dank der Zusammenarbeit von Bin Laden und George Bush entsteht ein neues Feindbild, doch ist dieses weniger befriedigend als die vorigen, das neue Feindbild des “Terrorists” ist nicht für Jedermann greifbar, es hat seinen absoluten Charakter verloren. Die algemeingültige Definition zwischen Gut und Böse ist nicht mehr gegeben, in der Vergangenheit stets von der Staatsmacht gesetzt, weigert sich unsere Regierung sich behalich uns panem et circenses zu geben. Für mich bleibt offen ob sich die neue Definition des Guten und Bösen heute auf einer anderen Ebene vollzieht und wir letzlich nur in einer scheinliberalen Gesellschaft leben oder ob wir letzlich tatsächlich nicht mehr das absolute Dogma haben, das gerne bereit ist für uns über andere zu urteilen. Oder ob ich mich möglicher weise irre.