Profiling und Prävention - Strafe ohne Straftat?
November 28th, 2006 | by Lawlita |Prävention durch Profiling: Scotland Yard plant Datenbank der künftigen Mörder - SPIEGEL ONLINE
Scotland Yard will potentielle Mörder und Vergewaltiger erkennen, bevor
sie zum ersten Mal zuschlagen. Britische Polizeipsychologen halten es
für möglich, eine Datenbank mit möglichen Tätern aufzubauen.
Funktionieren tut das vermutlich durchaus, Scotland Yard dürfte eine ähnliche Methode verwenden wie jedes Institut das die Bonität eines unbekannten Kunden “vorhersagen” soll. Dabei greift man auf eine möglichst umfassende Datenbank mit Risikofaktoren und Vergleichsgruppen zu, und versucht die unbekannte Person einzuordnen.
Wohne ich beispielsweise in einem Stadtteil deren Bewohner sich durch ausgesprochen schlechte Zahlungsmoral auszeichnen, dann sinkt automatisch mein Scoring, da die Wahrscheinlichkeit steigt das ich ebenfalls nicht zahle.
Vorraussetzung für eine verlässliche Vorhersage ist die Qualität und Quantität der Datenbasis auf der ich meine Kalkulation aufstelle. Schon hier ist es ausgesprochen fraglich ob und inwiefern diese verlässlich ist. Problematisch sind vielmehr die Folgen:
Sei eine möglicherweise gefährliche Person erst einmal gefunden, so
Psychologin Richards, gebe es zwei Möglichkeiten. Die Polizei könne
darüber entscheiden, ob sie Schritte einleiten wolle, den potentiellen
Straftäter festzunehmen. Denkbar sei aber auch, die zuständigen
Sozialbehörden zu alarmieren. Diese könnten dann veranlassen,
denjenigen in ein verhaltenstherapeutisches Projekt zu vermitteln.
Man fragt sich doch ernsthaft was Scotland Yard hier für ein Menschenbild und ein Strafrechtsverständnis mitbringt, dass einen Freiheitsentzug oder eine Beeinträchtigung der Freiheit (Verhaltenstherapie) mit einer Wahrscheinlichkeitsberechnung, die auf empirisch-statistischer Grundlage ruht, rechtzufertigen im Stande ist.
Vermutlich bestenfalls eines das nur in einer Orwellschen Welt Bestand haben darf.
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