“Raubkopierer” klauen den Künstlern die Butter vom Brot

Dezember 23rd, 2008 | by Lawlita |

So oder so ähnlich wird es immer kommuniziert. Ob es nun der offene Brief von 200 Künstlern an Angela Merkel ist, die Forderung des britischen Kultusminsters Burnham nach längeren Schutzfristen oder Frau Prof. Dr. Ulrich Goll in einem deutschen Gymnasium; gefährdet durch Raubkopien scheinen in vorderster Front die Künstler.

Ich glaube kaum, dass diese um ihr Überleben fürchten müssen, dass wir eine kunst- und kreativlose (oder losere) Zukunft befürchten müssen. Kunst gibt es seit eh und je, denn sie wird auch und gerade von Menschen geschaffen, die dafür im Leben keinen Cent sehen und dies auch gar nicht erwarten.
Der Drang künstlerisch tätig zu werden ist schließlich ein menschliches Bedürfnis; das was hier öffentlich jammert und sich hinter dem Bild des notleidenden Künstlers versteckt, ist deren kommerzielle Mantel der ganz nebenbei dazu beiträgt, dass Menschen zu Künstlern und Stars hochstilisiert werden, dir vor allem durch die Begabung auffallen, wenig zu denken und sich in ihrer eigene Doofheit wie eine Sau im Schlamm genüsslich zu suhlen.

Es sind nicht die Künstler; nein, wer hier wirklich jammert wird klar, wenn man sich einmal anschaut, wer laut dem Bundesamt für politische Bildung wieviel vom Kuchen einer verkauften CD bzw. eines verkauften Downloads bekommt.

Lächerliche 63 Cent erhält ein Künstler im Schnitt als Anteil vom Erlös eines Albums von 15,99€. Magere 4% dafür, kreativ zu sein. Bei einem Download sieht es nicht besser aus. Das Label verdient dagegen fast acht Mal soviel; es ernährt sich von dem Schinken, den der Künstler nie zu Gesicht bekommt.

Vielleicht stimmt es, dass ein realer Schaden durch Schwarzkopien entsteht. Vielleicht gibt es tatsächlich Menschen, die eine CD gekauft hätten, wenn sie sich keine Schwarzkopie hätten beschaffen können. Vielleicht überwiegt der Schaden der durch diese Menschen ausgelöst wird auch die durch Schwarzkopien bedingten Werbeeffekte.

Man sollte allerdings im Hinterkopf haben, dass die Künster auch an den sinkenden Einnahmen nur zu 4% beteiligt ist. Natürlich - wenn die Einnahmen um - rein fiktiv - 10% sinken, sinken sie auch aus Sicht der Künstler um 10%. Absolut betrachtet sind es aber die Labels, die hier in den sauren Apfel beißen, denn wenn sie heute - wieder rein fiktiv - 100 Millionen weniger einnehmen, müssen sie davon 30 Millionen tragen, die Künstler dagegen nur 4.

Wirtschaftlich betrachtet wird damit ganz klar, wer eigentlich geneigt und befähigt ist, Millionen von Euro / Dollar in Lobbyarbeit zu investieren, die zu Gesetzen führen, deren Sanktionen längst völlig außer Verhältnis zur Schuld der Unterworfenen stehen und die derart demokratisch zu Stande kommen, dass sie in ultra-geheimen Verhandlungen ausgekungelt werden.

Wer daher glaubt hier würden vom Aussterben bedrohte Künstler um ihre Existenz als Kreativschaffende kämpfen, ist ein naiver, in gewisser Hinsicht aber auch ein romantischer Narr.

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  1. One Response to ““Raubkopierer” klauen den Künstlern die Butter vom Brot”

  2. By Nick on Mrz 23, 2009 | Reply

    Von diesem Thema hört man ja immer wieder einmal, aber, dass es sich nur um 4% handelt vom Erlös an die Künstler, das wusste ich nicht und ich bin geschockt.. kein Wunder, dass sich alle in so hohen Tönen beschweren, die Labels müssen ja richtig darunter leiden. Aber die tun einem ja nicht leid, wenn dann die Künstler, aber 4% ist eh ein lächerlicher Verdienst, das ist ja unverschämt.

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