Tauch- oder Untergang?

April 8th, 2006 | by Lawlita |

Ein wiederholtes Aufflammen der Gasflamme des Feuerzeugs in deren Schein sich ein kleiner Kreis konzentrierter Gesichter für kurze Zeit erkennen lässt.
Das flackernde Licht lässt Schatten über die Gesichter zucken. Ein leicht würziger Geruch breitet sich aus, schafft ein Gefühl der Einheit. Das Feuerzeug verlischt, flammt wieder auf. In aller Ruhe wird ein Stück gepressten Mariuhanas zwischen Daumen und Zeigefinger zerrieben. Lachen, noch ist es laut und lustig in der Runde, doch alle begutachten fasziniert das Werk das einer der ihren zwischen seinen Fingern schafft.

Mit größter Präzision wird gedreht, gestopft, erhitzt, und schließlich für fertig erklärt. Feierlich entzündet. Der Joint wandert durch die Runde, jeder darf mal jeder will mal. Ich nehme einen tiefen Zug, lasse den Rauch langsam durch gespitzte Lippen entweichen. Fixiere das Glühen des Joints, einzige Lichtquelle und Mittelpunkt der Welt die mich umgibt. Spüre die frühlingsmilde Luft, die über mein Gesicht streicht, mich beruhigt, höre die Vögel die hereinbrechende Nacht besingen.

Ein weiterer Zug, tief, oder zwei. Ich bewege mich, ändere den Standort beliebig, betrachte mich: Ausdrucksloses Gesicht, fixiert auf die glühende Spitze des Joints. Einmal ziehen und weitergeben, nach hinten lehnen und den Geist fliegen lassen. Keine Möglichkeit die Erkenntnisschwere der Bilder in Worte zu fassen, die über mich hereinbrechen, die Filme die völlig losgelöst von jeder Zeit in meinem Kopf entstehen, farbig, schnell und klar. Ein wissendes Lächeln umspielt das Gesicht meines Körpers. Ein klarer Zugang zu den schlafenden Ängsten meiner Seele, kann sie betrachten, nur sollte ich acht geben sie nicht zu wecken. Dort liegen sie in der Höhle, selber nur Lebewesen, Sieg oder Koexistenz? Kiffen als Weg zur Selbsterkenntnis, ich beginne zu grinsen. Spiele den Pinguin, tauche, sehe über meinem Kopf das Eis, tauche und schwimme, spiele und jage, sehe ein Loch im Eis, schieße pfeilgleich darauf zu; tauche auf.

Stille, entrückte Gesichter um mich herum. Leise, um die anderen nicht zu stören greife ich nach der Wasserflasche, nehme einen Schluck und spüre das Leben meine Kehle hinunterrinnen - Wasser. Erinnere mich meiner Reise in der Seele der gegenwärtigen Sekunden. Kehre zurück zu dem Loch im Eis, atme einmal durch, werfe noch einen Blick in die Runde und tauche wieder ab. Noch ein bisschen tauchen, denken, erkennen, wissen.

Never underestimate the power of denial.

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