Über die Notwendigkeit guter Lehrer

April 29th, 2006 | by Lawlita |

Die Psyche des Menschen unterliegt der Trägheit. Sie ist, genau wie jeder Körper in der Physik bestrebt, einen ausgeglichenen Zustand zu erreichen und beizubehalten.
Wichtigster Ansatzpunkt dabei ist die Erreichung einer psychischen Widerspruchsfreiheit. Lebensstil, Idealbilder, Handlungen, Entscheidungen, Werte – sie alle sollen absolut friedlich nebeneinander existieren. Innere Zerissenheit, psychische Widersprüche können nicht in ihrer Existenz akzeptiert werden.
Genau wie in einem stabilen multiethnischen Staat mit verfeindeten Volksgruppen ist hierfür ein mächtiger Diktator notwendig. In seinem Drang innere Widersprüche aufzulösen akzeptiert der Mensch daher relativ problemlos offenkundige Lügen, bricht alle Regeln der Logik, verleugnet die Realität die den Widerspruch provoziert und leugnet oder ignoriert sogar den Widerspruch selbst.

Aufgabe eines jeden Lehrers (im weitesten Sinne) ist deshalb zuallererst den Gelehrten aus dem Zustand der inneren Ausgeglichenheit aufzuwecken, Widersprüche sichtbar und akzeptierbar zu machen. Erst dann ist Entwicklung überhaupt möglich.
Alle Mühe ist allerdings für die Katz, wenn der Schüler in den äußerst verlockenden widerspruchsfreien Grundzustand zurückfällt, sobald er außerhalb des Wirkungsbereiches seines Lehrers gerät.
Sekundäres Ziel ist deshalb zwingend, nach aufrütteln des Schülers die Fähigkeit zu verankern, innere Widerspruchslosigkeit nicht zu dulden und die Gefahr darin zu erkennen, aber auch ihm die innere Kraft zu geben, aus eigenem Antrieb dieselbe zu bekämpfen.

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