Wenn Medien lügen: Panorama und die “Killerspiele”

März 2nd, 2007 | by Lawlita |

Unter dem Titel Morden und Foltern als Freizeitspaß brachte Panorama am 22ten Februar einen Beitrag über “Killerspiele” - ein Paradebeispiel für Propaganda und manipulative Berichterstattung.
So zeigte Panorama Ausschnitte aus Spielen, die man für besonders brutal hielt. Dabei verwendet man teilweise Spiele oder Spielversionen, die in Deutschland überhaupt nicht vertrieben werden; man motzt sie durch inoffizielle Patches aus dem Internet auf, so dass noch mehr Blut fließt und mischt wild USK16, USK18 und indizierte Spiele und verschiedene Genres durcheinander. (natürlich ohne explizit darauf hinzuweisen)
Ein fünfstündiges Interview mit zwei “Killer-Spiele-Spielern” wird auf zwei zum Ziel der Berichtserstattung passende Sätze reduziert und Bilder von “Killerspielen” dazwischengeschnitten die selbige überhaupt nicht gespielt haben.

Wichtigster Interview-Partner, “Experte” und fast einzige Quelle ist dabei Bert Weingarten. Dieser stellt insbesondere die Problematik in den Vordergrund, dass verbotene Spiele und Modifikationen sich problemlos im Internet abrufen ließen.
Weingarten ist Inhaber der Firma PanAmp, die zufälligerweise Filterprodukte anbietet um eine Zensur des Internets zu ermöglichen. So beispielsweise den Ego-Shooter-Filter:

Der Ego-Shooter Filter sperrt den Zugriff auf fragwürdige oder nicht erwünschte Internet-Angebote […] welche gewaltverherrlichende Computer-Spiele zum Download anbieten.

Schade, dass Panorama dies nicht erwähnt hat, sonst ließe sich ihr Beitrag immerhin als Werbefilm verwenden. Immerhin stammen auch viele verwendeten Daten und Statistiken vermutlich von ihm.

Von mutwilliger Behauptung falscher Tatsachen oder einfach absoluter Inkompetenz zeugt auch, wenn eine Sex-Szene aus GTA San Andreas gezeigt wird. Zunächst muss nämlich das Spiel mittels inoffiziellem Mod erst einmal dazu gebracht werden, die Sex-Option überhaupt anzubieten. Darüber verliert Panorama natürlich kein Wort. So kommt man zu dem vernichtenden Ergebnis:

Wie bei diesem Spiel: Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt.

Kleiner Schönheitsfehler: In San Andreas lässt sich keine einzige Frau vergewaltigen. Was Panorama als Vergewaltigung hinstellt ist vielmehr eindeutig einvernehmlicher Sex.
Mit ihrer Rechtfertigung macht sich Panorama dann vollends lächerlich:

Dort ist es aber möglich, die Frau komplett zu entkleidet, die Kameraperspektive beliebig zu verändern und die Frau bei den sexuellen Handlungen herumzukommandieren. Auf einer “Befriedigungsskala” des Spielers wird dann angezeigt, wann die Sex-Szene beendet ist. Insgesamt denken wir, dass man derartige Spielmöglichkeiten durchaus als extrem frauenfeindlich und möglicherweise auch als Vergewaltigung werten könnte.

Ich bedauere aufrichtig die sexuellen Gespielinnen des Beitrags-Produzenten, die angekleidet in einem vollkommen abgedunkelten Raum stummen Sex haben müssen.

In meinen Augen hat sich damit nicht nur der Produzent des Beitrages, sondern die gesamte Redaktion, die einen derartig unvollständigen, sachlich falschen, populistischen und manipulierenden Beitrag abgenickt hat, vollständig disqualifiziert. Dem deutschen Presserat ist inzwischen eine Beschwerde über den Beitrag zugegangen. Hoffentlich beugen sich die ARD dem Druck und bringen eine Gegendarstellung.

Für eine sehr gute und umfassende Darstellung (und die ist wirklich umfassend!) sei auf das Blog von Jan Schejbal verwiesen.
Außerdem lesenswert die Stellungnahme der Redaktion.
Desweiteren interessant die verzerrende Berichterstattung zum Amoklauf von Sebastian B.


(Dieses Video wird direkt von Youtube.com eingebunden und unterliegt den entsprechenden Lizenzbedingungen)

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  1. 3 Responses to “Wenn Medien lügen: Panorama und die “Killerspiele””

  2. By Stefan Sasse on Mrz 6, 2007 | Reply

    Ohne Worte:
    http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2007/03/gegen-killerbibeln.html

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